Das Interview
von Stephanie Gans
… die Künstlerin selbst …
Sie kommt auf mich zu, locker, entspannt mit offenem Blick. Wir sprechen über ihre Kunst. Sie weiß genau was in ihren Bildern steckt, was Sie mit Ihrer Kunst auszudrücken und zu erreichen sucht.
Frau Wind, warum sind Sie überhaupt Künstlerin geworden?
Das hat unterschiedliche Gründe. Ein Erlebnis war jedoch besonders prägend: Ich hörte die Musik von Silvio Rodríguez, einem kubanischen Musiker. Dieser schrieb nach seinen Kriegserlebnissen folgende Liederzeilen:
„Ich will, dass das Sterben aufhört
ich will, dass die Kälte aufhört
damit ich mich widmen kann
der Blume, dem Wind und dem Fluss.
…“
Diese Zeilen haben mich damals sehr berührt.
Dabei habe ich zum Glück keinen Krieg aus der Nähe miterleben müssen. Täglich bleibt jedoch die bittere, furchtbare Realität von Krieg in anderen, fernen Ländern.
In meinen Arbeiten widme ich mich der einzelnen Blume, dem Grashalm, dem Wind, dem Licht… Ich widme mich diesen kleinen und großen Dingen der Natur aus der Überzeugung heraus, dass mit Hilfe dieser schönen und lebendigen Dinge, Zerstörung oder geistige Leere überwunden werden kann.
Die Natur bietet einen gewaltigen Schatz an Ruhe und Gelassenheit. Die Verbindung mit der Natur ist eine Quelle der Kraft. Diese Eigenschaften der Natur zu erleben und dabei in ihrem Wesen sichtbar zu machen ist meine künstlerische Intention. Die Malerei ist mir das geeignete Medium dafür. Sie erlaubt mir das real Gesehene mit dem inneren Erleben zu verbinden.
In den letzten Jahren haben viele Betrachter meiner Bilder mir diese Wirkung meiner Arbeiten bestätigt. Ein schöneres Kompliment kann ich mir nicht vorstellen. Dies zeigt mir, dass ich hier den richtigen Weg eingeschlagen habe und das gibt mir die Energie in dieser Richtung weiterzuarbeiten.
… künstlerische Vorbilder …
Welche Künstler haben Sie besonders beeindruckt oder in Ihrem schaffen und Ihrer Entwicklung beeinflusst?
Beeindruckt haben mich etliche Künstler der Vergangenheit und Gegenwart. Besonders intensiv hat mich jedoch die Biographie von Nolde beschäftigt. Aber auch Cezanne, Chagall und Hopper finde ich beeindruckend in ihrem Umgang mit Farbe und Form. Diese Künstler haben keine direkte Auswirkung auf meine Malerei genommen, dennoch gab es eine intensive Auseinandersetzung mit ihrem Werk.
Die Entscheidung zur Pleinairmalerei, entstand durch die Beschäftigung mit Monet. Sein Vorbildcharakter wird im Bild spürbar wenn eine Partie im Bild besonders luftig, in flirrender Lichtreflexion umgesetzt ist. Dennoch ist es eine heutige Malerei, denn die Inhalte die in meinen Bildern stecken haben für die Impressionisten damals keine bzw. eher untergeordnete Rolle gespielt.
Wenn man so möchte stecken in meinen Bildern sowohl religiöse als auch politische Aspekte. Allerdings erst auf den zweiten Blick und im Umkehrschluss erkennbar… Für den Betrachter, der nicht nur am äußeren Motiv verweilt…
… Kinder im Bild …
Ihre Kinderbilder sind besonders beeindruckend durch die Natürlichkeit ohne je süßlich zu wirken.
Beim Malen versuche ich der Innigkeit mit der ein Kind die Natur erlebt nachzugehen. Die Geborgenheit und das Staunen, welches die Natur uns als Kind bereitet hat, möchte ich wecken. Häufig habe ich daher meine Motive aus der Perspektive eines Kindes gemalt. Ein Grashalm, ein Stein - ein eigenes kleines Universum…
… malen mit Foto und Eitempera …
Ein Wort zur Technik: Wie entstehen Ihre Bilder?
Ich male heute aus freier Hand nach Fotovorlage, d.h. ich benutze keine technischen Hilfsmittel. Damit male ich weder von einer Fotoprojektion ab noch übermale ich Fotografie.
In der Ruhe des Ateliers fokussiere ich Ausschnitte der Natur bzw. der Stadt und verändere diese der Komposition zugunsten. So wird der Blick auf ein Motiv durch Reduktion intensiviert und konzentriert.
Ferner male ich mit einer der ältesten Malmethoden: mit Eitempera (Ei, Leinöl und Dammarharzfirniss). Die Pigmente sind fein abgestimmt. Mit dieser Technik erstelle ich mir selbst die Farben, in feinsten Nuancen.
… gestaltete Bildränder …
Bei der Betrachtung Ihrer Arbeiten fällt auf, dass Sie Ihre Bilder nicht rahmen und sogar den Seitenrand übermalen, warum?
Ich male über den Rand des Gemäldes hinaus und verzichte auf eine Rahmung, da kein Bruch den Betrachter herausreißen soll. Ohne Rahmen kann der Betrachter die Landschaft weiter denken. Die Weite des Bildes wird nicht begrenzt. Ich male sogar um die Leinwand herum, damit aus jeder Perspektive der Weg in die Bildmitte leicht zu finden ist.
… Erinnerung malen …
Was sollen ihre Bilder bewirken, was wollen sie mit Ihrer Kunst erreichen?
Menschen mit meiner Kunst zu erreichen, das ist mir besonders wichtig. Es liegt mir am Herzen mit und durch meine Kunst an die Schönheit und Vielfalt der Natur zu erinnern. Das Thema Luft und Wind ist dabei Dreh- und Angelpunkt meines derzeitigen Schaffens.
Ich möchte, dass der Betrachter in die Bilder eintaucht, dabei vielleicht auch beginnt in sich hineinzulauschen… eigene Erinnerungen vor seinem inneren Auge entstehen sieht… und dadurch Emotionen wachgerufen werden.
Es sind persönliche Augenblicke und Blickwinkel. Durch meine Kunst erhalten sie etwas Allgemeingültiges das ich dem Betrachter durch meine Malerei zugänglich machen möchte.